Über den Kurs

Zertifizierter Krisenmanager ist das Flaggschiff der Kursreihe der Deutschen Akademie für Krisenmanagement. Dieser Zertifizierungskurs geht über den Aufbau und die Besetzung des Krisenstabs hinaus und zertifiziert die strategische Führungsrolle selbst: Sie lernen, unter Extremunsicherheit zu entscheiden (Cynefin-Framework, OODA-Loop), Führung unter öffentlicher Beobachtung zu zeigen (die Fälle Tylenol 1982 und BP Deepwater Horizon), persönliche rechtliche Verantwortung zu verstehen (der Wirecard-Fall, §93 AktG, NIS2 und das KRITIS-Dachgesetz 2026) und mehrere gleichzeitig eskalierende Krisendomänen zu einer kohärenten Führungsentscheidung zusammenzuführen.

Warum dieser Kurs zum Zertifizierten Krisenmanager führt

Was diesen Kurs vom Rest der Kursreihe unterscheidet, ist der Fokus auf Urteilsvermögen statt auf Checklisten. Als zertifizierter Krisenmanager treffen Sie Entscheidungen dort, wo es keine vorgefertigte Antwort gibt, kommunizieren Sie so, dass Vertrauen erhalten bleibt, und tragen Sie die persönliche Verantwortung, die mit der strategischen Führungsrolle einhergeht. Der Kurs verbindet etablierte Entscheidungsmodelle mit realen Fallstudien aus Wirtschaft, Aufsichtsrecht und Regulierung, damit die erlernten Prinzipien direkt auf die eigene Organisation übertragbar sind.
Krisenmanagement, wie es in den Grundlagenkursen vermittelt wird, deckt Prozesse und Strukturen ab: Krisenstäbe, Meldewege, Eskalationsstufen. Der Zertifizierte Krisenmanager geht einen Schritt weiter: Er oder sie muss in Situationen ohne klare Handlungsanleitung selbst entscheiden, die Deutungshoheit in der öffentlichen Wahrnehmung behalten und wissen, wo die eigene persönliche Haftung beginnt. Dieser Kurs baut inhaltlich auf Grundlagen des Krisenmanagements und Krisenstab aufbauen, führen & beüben auf und führt die dort erlernten Fähigkeiten zur Zertifizierung.

Die sechs Module im Überblick

Modul 1 vermittelt Entscheidungsrahmen für Extremunsicherheit: das Cynefin-Framework zur Einordnung von Problemtypen und den OODA-Loop (Observe–Orient–Decide–Act) als Handlungszyklus unter Zeitdruck, ergänzt durch die klassische Eskalationspyramide von der Stakeholder- bis zur Aufgabenebene.

Modul 2 behandelt Führung unter öffentlicher Beobachtung anhand zweier gegensätzlicher Referenzfälle: der Tylenol-Vergiftungsfall 1982 als Lehrbeispiel für schnelle, transparente Krisenkommunikation, und BP Deepwater Horizon 2010 als Gegenbeispiel für zögerliches, glaubwürdigkeitsschädigendes Verhalten.

Modul 3 macht die Konsequenzen aus Modul 2 konkret: persönliche rechtliche Verantwortung von Führungskräften, dargestellt am Wirecard-Fall, an §93 AktG (Sorgfaltspflicht des Vorstands) und an den neuen regulatorischen Pflichten aus NIS2 und dem KRITIS-Dachgesetz 2026. Eine vertiefende, offizielle Einordnung bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zur NIS-2-Richtlinie.

Modul 4 zeigt anhand der Wirecard-Chronologie, wie einzelne Kontrollversagen sich zu einem vollständigen Vertrauenskollaps summieren. Hinweis: Die strafrechtliche Aufarbeitung einzelner Verantwortlicher war zum Redaktionsschluss z.T. noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.

Modul 5 stellt NIS2, KRITIS-Dachgesetz und weitere aktuelle Regulierungsschritte in einer Zeitleiste dar und ordnet sie in die Entwicklung der europäischen und deutschen Resilienzgesetzgebung ein.

Modul 6 führt alle fünf vorherigen Module zusammen: die Synthese kaskadierender Multi-Domänen-Krisen, bei denen technische, kommunikative, rechtliche und regulatorische Dimensionen gleichzeitig eskalieren und eine einzige, kohärente Führungsentscheidung erfordern.

Zertifizierung

Der Kurs schließt mit einer Abschlussprüfung aus 24 Fragen (vier je Modul), 30 Minuten Zeitlimit, drei Versuchen und einer Bestehensgrenze von 60 %. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie das Zertifikat „Zertifizierter Krisenmanager“ der Deutschen Akademie für Krisenmanagement.

Praxisnutzen für Ihre Organisation

Die Kombination aus Entscheidungsrahmen, Kommunikationsstrategie, Haftungsverständnis und Regulierungsüberblick macht den zertifizierten Krisenmanager zu einer zentralen Rolle in jeder Organisation mit relevantem Krisenpotenzial. Ob im Vorstand, in der Geschäftsführung oder als leitendes Mitglied eines Krisenstabs: Wer die in diesem Kurs vermittelten Prinzipien beherrscht, kann eine Organisation nicht nur durch eine einzelne Krise führen, sondern auch die strukturellen Lehren daraus in nachhaltige Resilienz übersetzen. Das macht diesen Abschluss zu einer sinnvollen Investition sowohl für die persönliche Karriere als auch für die Krisenfestigkeit des gesamten Unternehmens.

Für wen ist dieser Kurs?

Der Kurs richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die bereits Krisenstabs- oder Notfallerfahrung mitbringen und nun die strategische Führungsrolle im Krisenfall übernehmen oder vertiefen möchten – etwa Geschäftsführer, Vorstände, Chief Risk Officer, Leiter Unternehmenssicherheit oder erfahrene Krisenstabsmitglieder, die auf die nächste Verantwortungsebene vorbereitet werden. Wer diesen Kurs als Zertifizierter Krisenmanager abschließt, verfügt über das vollständige Rüstzeug, um Organisationen durch die komplexesten und folgenreichsten Krisensituationen zu führen.

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Was werde ich lernen?

  • Das strategische Führungsmandat eines Krisenmanagers nach den vier ISO-22361-Kompetenzfeldern ausüben
  • Unter Extremunsicherheit mit dem Cynefin-Framework und dem OODA-Loop schnell und robust entscheiden
  • Führung unter öffentlicher Beobachtung anhand der Fälle Tylenol 1982 und BP Deepwater Horizon reflektieren
  • Persönliche rechtliche Verantwortung von Vorstand und Geschäftsführung im Krisenfall einordnen
  • Aktuelle regulatorische Pflichten aus NIS2 und dem KRITIS-Dachgesetz 2026 in die Krisenorganisation übersetzen
  • Kaskadierende Multi-Domänen-Krisen über mehrere Wirkungsebenen hinweg synthetisieren und führen

Kursinhalt

Modul 1 — Das Mandat des Krisenmanagers: Rolle, strategische Führung und Kompetenzen
Von der Krisenstabsarbeit zur strategischen Führungsrolle: das Mandat nach ISO 22361, die vier Kompetenzfelder und die Klärung von Entscheidungsbefugnissen vor der Krise.

  • Lektion 1.1 — Vom Krisenstabsmitglied zum Krisenmanager: die strategische Führungsfunktion nach ISO 22361
  • Lektion 1.2 — Die vier Kompetenzfelder nach ISO 22361: Task, Interpersonal, Personal, Stakeholder Management
  • Lektion 1.3 — Entscheidungsbefugnis und Eskalationsgrenzen: wer entscheidet was
  • Wissens-Check Modul 1 — Das Mandat des Krisenmanagers

Modul 2 — Entscheiden unter Extremunsicherheit: Cynefin, OODA und die Führungsdilemmata
Cynefin-Framework und OODA-Loop als Entscheidungswerkzeuge unter Extremunsicherheit, plus die Praxis eines Domänenwechsels während einer eskalierenden Lage.

Modul 3 — Führung unter öffentlicher Beobachtung: Tylenol 1982 als Goldstandard
Der Tylenol-Vergiftungsfall 1982 als Goldstandard positiver Krisenführung — und die Gegenprobe BP Deepwater Horizon 2010 als Lehrstück für Kommunikationsversagen.

Modul 4 — Wenn Governance versagt: der Wirecard-Fall und persönliche Haftung
Der Wirecard-Kollaps 2020 als deutscher Governance-Fall: gescheiterte Kontrollinstanzen, persönliche Vorstandshaftung nach §93 AktG/§43 GmbHG und die Business Judgment Rule.

Modul 5 — Regulatorische Verantwortung 2026: NIS2, KRITIS-Dachgesetz und die Pflichten der Leitung
Die aktuelle regulatorische Pflichtenlage 2026: das NIS2-Umsetzungsgesetz, das KRITIS-Dachgesetz und ihr Zusammenspiel mit ISO 22361 in der Führungspraxis.

Modul 6 — Die Krise der Krisen: Multi-Domänen-Lagen und der Weg zur Zertifizierung
Kaskadierende Multi-Domänen-Krisen, Nachbereitung auf Vorstandsebene und die Synthese der gesamten Kursreihe — inklusive Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.

Abschlussprüfung — Zertifizierter Krisenmanager
Die finale Zertifizierungsprüfung: 24 Fragen (4 je Modul), 30 Minuten Zeitlimit, 3 Versuche, Bestehensgrenze 60 %. Deckt alle sechs Module ab und schließt den Kurs zum Zertifizierten Krisenmanager ab.

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