Ein Krisenplan ist das Fundament jedes professionellen Krisenmanagements. Er legt fest, wer im Ernstfall was tut, wie kommuniziert wird und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge ergriffen werden. Ohne einen strukturierten Krisenplan agieren Unternehmen in der Krise reaktiv und chaotisch – mit gravierenden Folgen für Mitarbeitende, Kunden und Reputation.
Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie einen wirksamen Krisenplan erstellen, testen und aktuell halten.
Was ist ein Krisenplan?
Ein Krisenplan (auch Notfallplan oder Emergency Response Plan) ist ein dokumentiertes Regelwerk, das beschreibt, wie eine Organisation auf definierte Krisensituationen reagiert. Er umfasst Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege, Handlungsanweisungen und Ressourcen – und muss auch dann funktionieren, wenn normale IT-Systeme nicht verfügbar sind.
Ein Krisenplan unterscheidet sich vom Business Continuity Plan (BCP): Während der BCP auf die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs fokussiert, regelt der Krisenplan die unmittelbare Reaktion auf ein kritisches Ereignis. Beide Dokumente ergänzen sich und sollten aufeinander abgestimmt sein.
Warum jedes Unternehmen einen Krisenplan braucht
Unternehmen ohne Krisenplan verlieren in der Krise wertvolle Zeit mit der Klärung von Grundsatzfragen: Wer trifft Entscheidungen? Wer informiert die Medien? Wer kontaktiert Kunden und Behörden? Diese Fragen sollten längst beantwortet sein, bevor eine Krise eintritt. Unternehmen mit einem getesteten Krisenplan erholen sich nach einem Krisenfall deutlich schneller und erleiden geringere Reputationsschäden als solche ohne Plan.
Schritt 1: Risikoanalyse durchführen
Der erste Schritt beim Erstellen eines Krisenplans ist die systematische Identifikation möglicher Krisenszenarien. Typische Szenarien umfassen IT-Sicherheitsvorfälle und Cyberangriffe, Brand oder Naturkatastrophen am Unternehmensstandort, Ausfall kritischer Lieferanten, schwerwiegende Produkt- oder Qualitätsmängel, Reputationskrisen durch negative Medienberichterstattung sowie den Ausfall von Schlüsselpersonen.
Priorisieren Sie die identifizierten Szenarien nach Eintrittswahrscheinlichkeit und potenziellem Schaden. Für die priorisierten Szenarien werden spezifische Handlungsanweisungen entwickelt.
Schritt 2: Krisenteam zusammenstellen
Kein Krisenplan funktioniert ohne die richtigen Menschen. Das Krisenteam ist die zentrale Entscheidungsinstanz im Krisenfall. Es sollte folgende Rollen abdecken: Die Krisenleitung trägt die Gesamtverantwortung und trifft finale Entscheidungen. Der Krisenkommunikationsverantwortliche ist zuständig für alle internen und externen Kommunikationsmaßnahmen. Fachexperten aus IT, Recht, HR und Technik liefern situationsspezifischen Rat. Ein Protokollführer dokumentiert alle Entscheidungen und Maßnahmen.
Wichtig: Für jede Rolle müssen Vertreter benannt werden. Ein Krisenplan, der von einer einzelnen Person abhängt, ist kein guter Krisenplan.
Schritt 3: Kommunikationsplan entwickeln
Krisenkommunikation ist entscheidend für den Ausgang jeder Krise. Die ersten 60 Minuten nach Bekanntwerden einer Krise prägen die öffentliche Wahrnehmung dauerhaft. Der Kommunikationsplan legt fest, welche Zielgruppen in welcher Reihenfolge und auf welchem Kanal informiert werden, enthält vorbereitete Sprachregelungen für typische Krisenszenarien und definiert, wer als Pressesprecher auftritt.
Erstellen Sie eine Kontaktliste aller relevanten Ansprechpartner – Journalisten, Behördenvertreter, Rechtsanwälte, PR-Agenturen – und halten Sie diese offline verfügbar.
Schritt 4: Handlungsanweisungen festlegen
Der Kern jedes Krisenplans sind szenarienspezifische Handlungsanweisungen (Checklisten), die Verantwortlichen im Krisenfall klare Orientierung geben. Diese sogenannten Standard Operating Procedures (SOPs) sollten klare Handlungsschritte in chronologischer Reihenfolge enthalten, eindeutig benennen wer für welchen Schritt verantwortlich ist, Zeitvorgaben für kritische Maßnahmen definieren (z. B. „Binnen 30 Minuten: IT-Sicherheitsdienstleister informieren“) und Eskalationskriterien beschreiben.
Halten Sie die Handlungsanweisungen so einfach und kurz wie möglich. In einer Krise haben Menschen keine Zeit für lange Dokumente.
Schritt 5: Krisenplan testen und üben
Ein Krisenplan, der nicht geübt wurde, ist wertlos. Empfohlene Übungsformate sind der jährliche Krisenplan-Review, bei dem alle Verantwortlichen den Plan gemeinsam durchgehen und auf Aktualität prüfen. Die halbjährliche Tabletop-Übung simuliert ein hypothetisches Krisenszenario in einer Besprechung. Die Notfallübung (alle 1–2 Jahre) simuliert eine reale Krise unter möglichst realistischen Bedingungen.
Jede Übung sollte mit einer Nachbesprechung enden, in der Schwachstellen identifiziert und Verbesserungen im Krisenplan dokumentiert werden.
Was muss ein Krisenplan enthalten?
Ein vollständiger Krisenplan enthält eine Übersicht mit Zweck, Geltungsbereich und Versionierung, das Krisenteam mit Rollen, Namen und Kontaktdaten (inkl. Vertreter), szenarienspezifische Handlungsanweisungen, einen Kommunikationsplan mit Zielgruppen und Sprachregelungen, eine Ressourcenübersicht zu Notfallarbeitsplätzen und Backup-Systemen, eine Eskalationsmatrix sowie einen Wartungsplan mit Terminen für Reviews und Übungen.
Krisenplan erstellen mit der Krisenmanagement-Akademie
Die Krisenmanagement-Akademie (KMA) unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung, Implementierung und dem Test wirksamer Krisenpläne. Unser Angebot umfasst individuelle Beratung zur Krisenplan-Erstellung, Krisenmanagement-Training für Ihr Krisenteam, realistische Tabletop-Übungen sowie die Überprüfung und Verbesserung bestehender Krisenpläne.
Ein Krisenplan ist kein Projekt – er ist ein kontinuierlicher Prozess. Gut vorbereitet zu sein bedeutet nicht, alle Antworten zu kennen, sondern die richtigen Fragen bereits gestellt zu haben – bevor die Krise eintritt.
Möchten Sie einen professionellen Krisenplan für Ihr Unternehmen entwickeln? Kontaktieren Sie uns – wir begleiten Sie Schritt für Schritt.


