Übungsszenario in drei injects: ausfall, rückstau, presse und aufsichtsanfrage. Kma deutschland.
  • Oktober 8, 2026

Eine vollständige Übung des gesamten Krisenplans kostet einen Tag Vorbereitung, einen Tag Durchführung und Wochen der Terminfindung. Deshalb findet sie selten statt. Ein Tabletop über neunzig Minuten dagegen lässt sich in eine bestehende Leitungsrunde legen – wenn es nicht den ganzen Plan prüfen will, sondern genau eine Entscheidung: die mit den meisten Beteiligten.

Dieser Beitrag beschreibt, wie Sie diese eine Entscheidung auswählen, mit drei Einspielungen arbeiten und den Plan danach konkret ändern. Wer seinen Krisenplan im Szenario testen will, braucht dafür weder eine Plattform noch ein ausgearbeitetes Drehbuch – aber eine klar benannte Entscheidung und zwei Personen, die mitschreiben.

Testen Sie die Entscheidung, nicht die Beschreibung

In vielen Übungen wird geprüft, ob der Plan korrekt wiedergegeben wird: Wer ruft wen an, welche Liste wird geöffnet, welches Formular ausgefüllt. Das prüft Kenntnis, nicht Handlungsfähigkeit. Testen Sie die Entscheidung, nicht die Beschreibung.

Praktisch heißt das: Die Frage an den Raum lautet nicht „Was steht dazu im Plan?“, sondern „Wie entscheiden Sie jetzt, mit dem, was Sie wissen?“. Erst danach wird verglichen, was der Plan vorsieht. Die Lücke zwischen beidem ist das eigentliche Übungsergebnis.

Welche Entscheidung Sie zuerst testen

Zwei Auswahlkriterien haben sich bewährt, und Sie brauchen nur eines davon.

  • Die Entscheidung mit den meisten Beteiligten: Wo viele mitreden, entstehen die längsten Wartezeiten. Typisch sind Entscheidungen, die Betrieb, Kommunikation, IT und Geschäftsführung gleichzeitig berühren – etwa die aktive Information von Kunden.
  • Die Entscheidung, die niemand will: Fragen Sie im Vorgespräch, welche Entscheidung im Ernstfall am unangenehmsten wäre. Die Antwort kommt schnell und ist fast immer die richtige Wahl, weil genau dort das Mandat unklar ist.

Formulieren Sie die ausgewählte Entscheidung vor der Übung in einem Satz und schreiben Sie sie sichtbar auf. Ohne diesen Satz wandert die Diskussion innerhalb von zwanzig Minuten zur Technik, weil technische Fragen konkreter wirken.

Krisenplan im Szenario testen: drei Einspielungen für 90 Minuten

Die folgenden Einspielungen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung. Passen Sie Bezeichnungen und Zeiten an Ihr Haus an; die Abstände zwischen den Einspielungen sind wichtiger als die Inhalte.

  1. „Di 06:40 – Zentrales Fachverfahren nicht erreichbar, Ursache unklar“ Diskussionsfragen: Wer bewertet diese Meldung, und bis wann? Ist das bereits ein Auslöser für die Aktivierung, oder fehlt eine Angabe? Wer wird jetzt informiert, ohne dass daraus eine Zustimmung wird?
  2. „Di 08:15 – Zwei Standorte melden Rückstau, Kunden fragen nach“ Diskussionsfragen: Wer entscheidet über eine aktive Kundeninformation, und ist dafür eine Zustimmung nötig? Welche zwei Angaben brauchen Sie dafür wirklich? Was gilt, wenn die entscheidende Rolle in einem Termin sitzt?
  3. „Di 09:30 – Erste Presseanfrage, gleichzeitig Frage der Aufsicht“ Diskussionsfragen: Welche der beiden Anfragen wird zuerst beantwortet und warum? Wer gibt die Sprachregelung frei, und innerhalb welcher Frist? Wird die Entscheidung gerade irgendwo festgehalten – und wenn ja, von wem?

Planen Sie je Einspielung zwanzig Minuten Diskussion, dazwischen fünf Minuten für die Notizen der Beobachtung, und halten Sie die letzten zwanzig Minuten für die Auswertung frei. Wer in einer solchen Runde sitzen sollte und wer nicht, behandelt der Beitrag Krisenstabsübung: der richtige Teilnehmerkreis.

Was die Beobachtung notiert

Bestimmen Sie ein oder zwei Personen, die nicht mitdiskutieren. Ihre Aufgabe ist nicht die Bewertung von Personen, sondern das Festhalten von vier Dingen:

  • Zeiten: Wann wurde die Entscheidung benannt, wann fiel sie, wie lange lag dazwischen?
  • Wortlaut der Entscheidung: Wie wurde sie formuliert – und hätte eine abwesende Person sie eindeutig verstanden?
  • Rückfragen nach oben: Wie oft und an welcher Stelle wurde nach einer Freigabe gefragt, die im Plan nicht vorgesehen ist?
  • Fehlende Angaben im Plan: Jede Stelle, an der jemand im Dokument gesucht und nichts gefunden hat, wörtlich notiert.

Diese vier Punkte reichen aus. Ein umfangreicherer Beobachtungsbogen führt dazu, dass die Beobachtung mit dem Ausfüllen beschäftigt ist und die entscheidenden dreißig Sekunden verpasst.

Wie der Plan danach geändert wird

Die Auswertung endet nicht mit Eindrücken, sondern mit Textänderungen. Gehen Sie die Notizen der Beobachtung durch und formulieren Sie je Punkt eine Änderung im Plan, mit verantwortlicher Person und Datum.

Typische Ergebnisse aus einer solchen Runde: Ein Auslöser wird präzisiert, weil „bei Bedarf“ nicht trug. Eine Mandatsgrenze wird ergänzt, weil dreimal nach einer Freigabe gefragt wurde. Eine Frist wird eingeführt, weil die Entscheidung achtzehn Minuten gebraucht hat und niemand das gemerkt hat. Ein Ablageort für das Entscheidungsprotokoll wird benannt, weil während der Übung drei Personen mitgeschrieben haben – in drei verschiedenen Dokumenten.

Setzen Sie für die Umsetzung eine Frist von vier Wochen und einen Termin, an dem die Änderungen freigegeben werden. Warum eine Übung den Plan erst gültig macht, beschreibt der Beitrag Krisenplan testen: die Übung, die den Plan erst gültig macht.

Nächster Schritt: eine Entscheidung auswählen und den Termin setzen

Wählen Sie die Entscheidung, die niemand will, legen Sie neunzig Minuten in den nächsten freien Leitungstermin und benennen Sie eine Person für die Beobachtung. Wenn Sie die Auswahl und die anschließenden Planänderungen unabhängig prüfen lassen möchten, gehört das zur Beratung und Audits im Krisenmanagement: Wir sehen uns Plan, Rollen und Entscheidungsdokumentation an und hinterlassen eine Maßnahmenliste mit Verantwortlichen und Terminen.

Häufige Fragen

Reichen neunzig Minuten wirklich aus?

Für eine Entscheidung ja. Der Zeitrahmen wirkt sogar günstig, weil er Abschweifungen begrenzt. Was nicht in neunzig Minuten geklärt wird, ist selten eine Zeitfrage, sondern ein Hinweis auf ein fehlendes Mandat.

Sollen die Teilnehmenden den Plan vorher lesen?

Der Plan liegt auf dem Tisch, aber niemand bereitet sich vor. Eine vorbereitete Runde prüft, wie gut sie gelernt hat; eine unvorbereitete Runde prüft, ob das Dokument im Ernstfall trägt.

Was, wenn die Diskussion in den ersten Minuten festhängt?

Das ist ein Ergebnis, kein Betriebsunfall. Notieren Sie den Punkt, treffen Sie für die Übung eine Annahme und fahren Sie fort. Genau diese Stelle gehört anschließend in den Plan.

Brauchen wir für die Einspielungen echte Systemdaten?

Nein. Frei erfundene, klar gekennzeichnete Meldungen genügen und vermeiden, dass die Runde über die Richtigkeit von Zahlen diskutiert statt über die Entscheidung.